Katzenauge – Margaret Atwood | Rezension

Katzenauge – Margaret Atwood | Rezension

„Ich fühle mich leichter, als würde ich an Substanz verlieren, Moleküle abgeben, Kalzium von meinen Knochen, Zellen von meinem Blut; als würde ich schrumpfen, als würde ich mich mit kalter Luft füllen oder mit leise rieselndem Schnee. Doch bei all dieser Leichtigkeit steige ich nicht etwa auf, sondern ab. Oder vielmehr werde ich nach unten gezogen, in die Schichten dieses Ortes, wie in verflüssigten Schlamm.“

Margaret Atwood

REZENSION

Ein handvoll Titel der Autorin habe ich bereits gelesen und besprochen, und final kann ich sagen, dass mich Atwood sprachlich schon immer begeistern konnte, auch weil sie so vielfältig schreibt und voller Ideen steckt, jedoch hat mich Katzenauge bisher am wenigsten abholen können.

Elaine ist erwachsen, aber in Gedanken immer wieder bei ihrer damaligen Busenfreudin Cordelia. Mit jeder Handlung erinnert sie sich zurück und hinterfragt alltägliches. – Was hätte Cordelia davon gehalten? Wie geht es Cordelia? Was macht Cordelia. Fast besessen von ihrer gemeinsamen Vergangenheit, hält sie krampfhaft daran fest. Ihre Freundschaft verbarg vieles, aber vor allem grausames, und davon konnte sich Elaine immer noch nicht befreien, und erzählt uns von ihrer Zeit und der unvergesslichen Hassliebe zu Cordelia.

Mobbing ist ein großes Thema, auch in heutiger Zeit, kommt kaum einer daran vorbei. Die Schulen sind voll von Schlimmfingern und es gibt genug Kinder, die sich in der Opfer-rolle wiederfinden. Das Leid, welches auch Elaine widerfahren ist, wird bis ins kleinste Detail beschrieben und ich habe wirklich mit ihr mitgelitten, aber dadurch wurde es mit der Zeit auch ziemlich zäh. Unwahrscheinlich viele Geschichten wurden erzählt, die sich wie Lückenfüller anfühlten, und haben es mir schwer gemacht, in diesem Buch anzukommen. Gedanklich verlor ich mich während des Lesens ganz oft, da ich immer wieder den Faden verlor. Ab der Hälfte habe ich mich nur noch gelangweilt, und dennoch durchgehalten und auf den großen Knall gehofft. Atwood weiß ihre Charaktere zu verkaufen und mein Mitgefühl für Elaine war definitiv da, jedoch wäre es mir lieb gewesen, wenn dieses Buch gute 150 Seiten kürzer gewesen wäre, und es insgesamt ein wenig pfiffiger gewesen wäre.

Atwood ist bekannt dafür, sehr detailliert zu schreiben und extrem auszuschweifen, aber in diesem Buch, hatte ich das Gefühl, dass sie selber ein wenig den Faden verloren hat und nicht am Ball blieb, sondern eben ewig herum schwafelte. Die Grundstory hatte jede Menge Potential, aber so ganz ausgeschöpft wurde diese leider nicht. Dennoch würde ich weitere Werke der Autorin lesen, einfach weil ich mich bereits mit Der Report der Magd in die Sprache der Autorin verliebt habe, und sie durchaus einige tolle Geschichten zu Papier gebracht hat, an die ich heute noch gerne zurück denke.

Ein untypisches Buch, dass sich doch wieder einreiht, konnte mich leider nicht ganz zufrieden zurück lassen, und dennoch bin und bleibe ich ein kleiner Fan der Autorin, einfach weil sie voller Ideen steckt und jede Menge Charaktere geschaffen hat, denen sie zwar unheimlich viel abverlangt hat, aber eben auch Personen schafft, die bleiben und nachhallen.

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BUCHDETAILS

Herausgeber: Piper Verlag | Autor: Margaret Atwood | ET: 03.04.2017 | Buchlänge: 512 Seiten | ISBN: 978-3492311175 | ERWERBEN

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