Lady Orakel – Margaret Atwood | Rezension

Lady Orakel – Margaret Atwood | Rezension

„Ich plante meinen Tod mit Bedacht – anders als mein Leben, das, trotz meiner lahmen Versuche, es unter Kontrolle zu halten, dauernd auf Abwege geriet.

Margaret Atwood

REZENSION

Ein Roman von Atwood, und dann noch ein so abgöttisch schönes Cover. – Nachdem die Autorin sich mit Der Report der Magd in mein Herz geschrieben hat, musste ich mir einen weiteren Stapel Bücher aus ihrer Feder zulegen. Mit Lady Orakel wagte ich mich in eine Geschichte, die vom Klappentext an Bridget Jones erinnert, wegen der Gewichtsproblematik.

Joan Foster ist übergewichtig und findet überall nur Ablehnung – Sogar ihre Mutter lehnt sie ab, drückt ihr einen Spruch nachdem anderen und stoßt ihr Tochter damit von sich. Trost findet Joan bei ihrer Tante Lou, die ebenfalls einiges auf den Rippen hat. Doch ihre geliebte Tante stirbt und hinterlässt Joan ein Vermögen, auf dass sie nur zugreifen kann, wenn sie 40 Kilo abnimmt.

„Ich wollte, dass er ihr Geheimnis herausfindet, das Geheimnis, das ich allein kannte: Meine Mutter war ein Monster.“

Das Buch beginnt mitten im Geschehen. Joan entscheidet sich für die Flucht und möchte offiziell sterben, und dass der ganzen Welt vorspielen. Nach einem vermeintlichen Bootsunglück, setzt sie sich also in Italien ab. Neu frisiert und vor anderen Augen geschützt, beginnt sie ihr neues Leben. Doch die eigentliche Aufarbeitungsarbeit beginnt erst jetzt. – Ihre Essstörung, die gebrochenen Beziehung zu ihrer Mutter, der Verlust ihrer Tante und die Beziehung zu ihrem Ehemann Arthur. Während sie sich in ihren Gedanken verliert, scheint das ganze Leben an ihr vorbei zu ziehen.

Die Geschichte um Joan ist schmerzhaft, ehrlich und vor allem ungeschönt. Das Übergewicht der Protagonistin liegt dabei im Vordergrund. Sie stopft sich voll, und die „nett gemeinten“ Ratschläge ihrer Eltern, verschlimmern ihren Zustand nur noch mehr. Mit dem Tod der Tante, nimmt sie die ihr gestellten Herausforderung an und fängt an abzunehmen, allerdings fällt sie damit auch von einem in das nächste Extreme. Nach dem Motto ganz oder garnicht, verbietet sie sich jegliches Essen und nimmt enorm schnell ab. Ihr Ziel erreicht, merkt sie, dass sie zwar nun hübscher und schöner ist, Männer abbekommt, aber ihre Unzufriedenheit bleibt. Sie baut eine Ehe auf Lügen auf und auch in ihrem Schriftsteller-Dasein kann sie sich nicht gänzlich ausleben, denn niemand soll je von ihrem Übergewicht erfahren.

„Ich hatte die richtige Figur, aber die falsche Vergangenheit. Ich musste sie gänzlich loswerden und mir eine neue erfinden, eine angenehmere.“

Während mich der Anfang noch begeistert hat, auch weil man selbst über so vieles philosophieren und nachdenken konnte, ging es mir irgendwann auf den Keks, dass sich Joan so verliert. Sie hatte eine verdammt schlechte Zeit, aber auch diese gilt es zu überbrücken und daran zu wachsen. Auch die fehlende Spannung zb um Arthurs Geheimnis konnte mich nicht überzeugen. Nichtsdestotrotz hat, Atwood wieder interessante Charaktere geschaffen und mich mit ihrer Sprache überzeugen können. Nicht mein liebstes Buch von ihr, aber sofern die Thematik passt, definitiv lesenswert.

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BUCHDETAILS

Herausgeber: Piper Verlag | Autor: Margaret Atwood | ET: 03.04.2017 | Buchlänge: 416 Seiten | ISBN: 978- 3492311182 | ERWERBEN

1 Kommentar

  1. 8. Januar 2020 / 11:21

    Liebste Stella, eine schöne Rezension – das Cover ist wirklich traumhaft schön! Ich habe von Atwood bis jetzt Report der Magd und die Zeuginnen gelesen und fand diese von ihr richtig gut – hast du die auch schon gelesen? Und auch die Thematik zu Lady Orakel klingt richtig spannend, ich werde auf jeden Fall noch mehr Bücher von ihr lesen 😀
    Hab einen tollen Tag <3

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