Das Gedächtnis von Babel #3 – Christelle Dabos | Rezension

Das Gedächtnis von Babel #3 – Christelle Dabos | Rezension

„Allein an einem unbekannten Ort, tausende Kilometer von daheim entfernt und mit einer sechzig Jahre alten Postkarte als einzigen Anhaltspunkt. Zwei Jahre lang hatte sie von diesem Moment geträumt, und nun, da er gekommen war, wurde ihr schwindelig bei dem Gedanken.“ 

Christelle Dabos

REZENSION

Christelle Dabos hat sich mit ihrer Spiegelreisenden-Saga in mein Herz geschrieben. Nachdem Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast es bereits auf meine Jahreshighlights-Liste geschafft hat, wusste ich, auf welche Fortsetzung ich mich in diesem Jahr am meisten freue. Kaum kam Das Gedächtnis von Babel bei mir an, stürzte ich mich also in das Abenteuer!

Nun sind knappe drei Jahre vergangen, seitdem Ophelia Thorn nicht mehr gesehen hat … und dass, obwohl er ihr doch endlich seine Liebe gestanden hat. Nachdem er vom Erdboden verschluckt wurde, musste sie den Pol verlassen und zurück in ihre Heimat Anima kehren. Dort angekommen fängt sie an sich zu verkriechen, lässt ihre bemühte Familie weniger an sich heran und die Veränderungen in ihrem ehemals geliebten Archiv, stoßen ihr auf, weswegen sie dort nicht mehr arbeitet. Einsam in ihrem Zimmer, mit den Gedanken an Thorn und Gott, den sie getroffen hat, aber das Geheimnis sicher verwahrt, lebt sie in den Tag hinein. Als ihr Großonkel ihr dann aber eine Karte zuspielt, die sie auf den Ort Babel aufmerksam macht, findet sie ihren Elan wieder, wirft sich ihren unbändigen Schal und macht sich auf den Weg. Die Flucht aus Anima vor den Doyennen, die sie beobachten, schafft sie mit Hilfe von Archibald, Gwenael und Reineke. Angekommen in Babel erwarten sie neue Rätsel, andere Regeln und Sitten… und Babel birgt tödliche Gefahren.

Dieses Buch hat mir wirklich richtig gut gefallen, vor allem die Idee mit dem Uhrenfest, den Automaten, die fliegenden Schimären, Viktoria und ihre Reisen, der Andere, dem Studium am Konservatorium der Guten Familie – Um nur ein paar zu nennen, sowie die ständigen Twists und Überraschungen. Einzig die Sache mit Sir Henry war mir direkt klar, aber alle anderen guten und bösen unerwarteten Überraschungen, haben mich zum Staunen gebracht, mal für nen Moment entsetzt und kamen immer ganz plötzlich wie ein unerwartetes Geschenk. Und genau das liebe ich so an dem Stil der Autorin – Er ist verspielt, unfassbar schrullig, verblüffend, detailliert, auf jugendliche Weise anspruchsvoll und strotzt nur so voller durchgeknallter, aber ausgeklügelter Ideen und umgarnt das ganze mit einer Vielzahl toller, lieb-gewonnener Charaktere. Einzig einen Kritikpunkt möchte ich auf hohem Niveau nennen: Ein paar meiner Lieblingscharaktere wie Archibald und die versammelte Bande kamen mir hier zu kurz. Natürlich ist es dem Ortswechsel geschuldet und natürlich habe ich neue, spannende Charaktere wie Blasius, Octavio und Victoria in mein Herz geschlossen, doch ein wenig schwer ums Herz wurde mir wegen den altbekannten Gesichtern. Ich hoffe, dass das Finale dieser tollen Fantasy-Reihe dann nochmals alles unterstreicht und hervorhebt, sodass ich mich genügsam davon verabschieden kann… Mit einem lachenden und einem tränenden Auge.

„Bisher hatte sie niemanden verletzt – keine Nase und keinen Finger abgeschnitten -, aber wenn jemand ihr allzu unsympathisch war, dann geschah immer dasselbe: Etwas in ihr regte sich und stieß ihn zurück. Sicher war das nicht die beste Art eine Meinungsverschiedenheit beizulegen.“

Mit dem Zeitsprung von fast drei Jahren, erwarten uns Ophelia, Thorn und Co, die allemal an Erfahrungen reicher geworden sind. Ihre gewonnenen Kräfte durch die Vermählung, lernen sie einzusetzen, auch wenn erst unbeholfen. Ihre Charakterzüge festigen sich, auch wenn die beiden etwas brauchen, so finden sie früher oder später zueinander und ich muss hier wirklich mal ein Lob aussprechen, was die abschließende Liebesszene angeht, da die Umschreibung schön und stilvoll war. Oftmals sind diese mir in Jugendbüchern zu plump und auch nicht altersgerecht. Diese Fantasy-Saga kommt meiner Meinung nach genau mit der richtigen Prise an Liebe aus, aber lebt allen voran von seinem Einfallsreichtum, seiner Genialität, sowie Skurrilität.

Ihr wisst nicht, ob ihr nach den Büchern greifen sollt? Dann hoffe ich doch, dass ich euch hiermit an der Angel habe und ihr schnellstmöglich nach dem ersten Band Die Verlobten des Winters greift. Für alle Fantasieliebhaber ein Muss im Regal.

KATEGORIE

LESESCHMÖKER
MEHR ÜBER MEIN BEWERTUNGSSYSTEM

BUCHDETAILS

Herausgeber: Insel Verlag | Autor: Christelle Dabos | ET: 17.11.2019 | Buchlänge: 520 Seiten | ISBN: 978-3458178279 | ERWERBEN

INFOS

Band 1 | Die Verlobten des Winters
Band 2 | Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast
Band 3 | Das Gedächtnis von Babel
Band 4 | Im Sturm der Echos

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld!

*

Ich stimme zu.