Ein Himmel aus Gold – Laura Wood | Rezension

Ein Himmel aus Gold – Laura Wood | Rezension

„Das Cardew-Haus, so verlassen und vernachlässigt es war, erschien mir wie eine Antwort auf all meine Fragen. Es war nicht seine Pracht, die mich anzog, sondern das magische Gefühl, dass es auf etwas wartete … dass etwas Aufregendes passieren würde, schon bald. Das Gefühl, dass die Schatten auf irgendeine Weise zum Leben erwachen würden. Es war anders als alles, was ich kannte, und anders war genau, was ich suchte.“ 

Laura Wood

REZENSION

Nichtsahnend schlug ich „Ein Himmel aus Gold“ auf, und wurde mit einer literarisch wertvollen Liebesgeschichte in die goldenen Zwanziger, und somit in eine Welt entführt, in die ich mich auf Anhieb verliebt habe.

Lou lebt mit ihren Eltern und ihren vielen Geschwistern in einer kleinen Ortschaft namens Cornwall. Zwischen Flut und Ebbe liegt ein Stück entfernt das leerstehende Cardew-Haus, welches Lou auf magische Weise anzieht. Sie spaziert immer wieder in das Haus hinein, um sich dort in die dastehenden ungelesenen Bücher zu verlieren. Eines Tages sind die reichen Cardews wieder zurück, und sie finden gefallen an der jungen Lou. Entführt, in einer ihr fremden Welt voller Glanz und Glamour, lebt sie in den Tag hinein, genießt die Cocktailpartys, und hegt mit der Zeit Gefühle für einen der jungen Männer…

„Meine eigenes Zuhause war niemals still, doch trotz all des Lärms und Trubels fühlte ich mich manchmal einsam dort. Seltsam – wenn ich im Cardew-Haus war, ganz allein, spürte ich niemals Einsamkeit.“

Diese Geschichte hat mich wahrlich verzaubert. Die Einführung in die Welt mit einem Zitat aus „Der große Gatsby“, haben mich direkt in die goldenen Zwanziger eingestimmt. Die Geschichte erzählt von einem jungen Mädchen, dessen Schwester Alice nun verheiratet ist. Normalerweise sollte Lou als Zweitälteste als nächstes an der Reihe stehen. Doch einen Mann gibt es noch nicht, und als leidenschaftliche Hobby-Schriftstellerin steht ihr Sinn nach Freiheit und Abenteuer, anstatt nach einer Ehe. Vor allem echte Liebe ist Lou so wichtig. Sie sieht es in den Augen ihrer großen Schwester Alice – Dieses Funkeln spricht Bände. Ist es nicht das, auf was es ankommt? Aber als Lou dann eine Einladung von den Cardews erhält und sich in die neue Welt verliebt und über Wochen in ihren Sog ziehen lässt, lernt sie auch die andere Seite der Medaille kennen. Sie kommt aus ärmlichen Verhältnissen, aber hat eine liebevolle Familie, die sie umsorgt und schätzt. Die Cardews dagegen leben in Reichtum, schmeißen eine Party nach der anderen, aber verdrängen auch einige ihrer Probleme.

Lou ist eine Sympathieträgerin. In letzter Zeit passiert das ja wirklich selten, dass mich weibliche Charaktere in Jugendbüchern überzeugen können, da diese immer öfter als naiv und dumm dargestellt werden. Aber Lou trennt sich von der Spreu. Sie ist klug, witzig, gerissen, aber auch vorsichtig und bedacht. Sie handelt überlegt, auch wenn sie natürlich auch mal ihr jugendlicher Leichtsinn überkommt, aber das wirkt natürlich und nicht erzwungen. Ich hab sie in mein Herz geschlossen und wünschte mir, dass die Autorenwelt sich hiervon eine Scheibe abschneidet. Es ist schön zu lesen, wie zwei Welten aufeinander treffen, und beide Seiten voreinander lernen können.

„Wenn die Flut kommt und das Wasser unten in der kleinen Bucht den Sand küsst, spüre ich jedes Mal einen Seufzer der Erleichterung auf meinen Lippen – darüber, dass ich wieder auf der Insel festsitze.“

Die Cardews bringen dieses goldene Gefühl der Zwanziger wahnsinnig gut rüber. Auch für Caitlin, Robert und Co habe ich Sympathie empfunden. Ich wollte ihrer Welt garnicht mehr entkommen oder aufhören mit ihnen Cocktails zu schlürfen. Natürlich kann man hier den Alkoholkonsum kritisieren, aber das gehört für mich einfach zu dieser Zeit dazu, weswegen ich es sogar gut fand, dass hier nichts geschönt wurde. Auch die Sprache und Kosenamen wie Darling etc, haben mich fühlen lassen als wäre ich mitten drin. Natürlich ist nicht alles nur schön und rosig. – Auch die Schattenseiten von Lou´s Familie, sowie der Cardews wurden aufgezeigt, aber genau das hat die Geschichte auch so authentisch wirken lassen. Es geht um Familie, um Freundschaft, um Selbstfindung, Angstbewältigung und Liebe.

Dass es zu einer Liebesgeschichte kommt ist keine Überraschung, aber überraschend ist, dass diese eine so schöne ist. Die Welt lässt an Gatsby erinnern, und die Liebe hat was von Stolz und Vorurteil. Eine Mischung aus zwei Weltklassikern in einem Jugendbuch zusammen gefasst, konnten mich vor allem sprachlich überzeugen. Der Schreibstil ist einlullend, zeitlos und wunderschön. Es ist eine klassische Geschichte, die einfach ans Herz geht. Fortan habe ich mich wohl und gut aufgehoben gefühlt. Es war ein wenig so, als würde ich als Großmutter (die ich mit 27 noch nicht bin) dasitzend, in Erinnerungen schwelgend, an meine erste große Liebe zurück erinnern, die immer noch hält. Ganz große Empfehlung!

„>>Darling“<< ruft sie und drückt zwei warme Küsse auf meine Wangen. >>Ich bin ja so froh, dass du hier bist!<<„

KATEGORIE

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BUCHDETAILS

Herausgeber: Dragonfly Verlag | Autor: Laura Wood | ET: 14.10.2019 | Buchlänge: 320 Seiten | ISBN: 978-3748800095 | ERWERBEN

2 Kommentare

  1. 15. November 2019 / 5:33

    Hallo,
    als großer Fan von Stolz und Vorurteil, hat es dieses Buch auf meine Wunschliste geschafft.
    Liebe Grüße
    Britta

    • Stella
      Autor
      18. November 2019 / 10:05

      Hey liebe Britta ♥

      yay, das klingt doch toll. Mir hat es noch mehr als der Klassiker gefallen. Bin gespannt, was du dazu sagst. In jedem Fall viel Freude beim Lesen!

      Liebe Grüße, Stella

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