Eisige Wellen #2 Grishaverse – Leigh Bardugo | Rezension

Eisige Wellen #2 Grishaverse – Leigh Bardugo | Rezension

„Früher, lange bevor sie die Wahre See befuhren, hatten der Junge und das Mädchen immer wieder von Schiffen geträumt: Schiffe, randvoll mit Geschichten, verzauberte Schiffe mit Masten aus wohlriechendem Zedernholz und mit Segeln aus purem Gold, von Jungfrauen gesponnen.“ 

Leigh Bardugo

REZENSION

Auf den zweiten Teil der Grisha-Trilogie, habe ich mich besonders gefreut. Während mir Goldene Flammen als Einläutung doch recht gut gefiel, habe ich hier eine fulminante Steigerung erwartet inklusive jeder Menge dunkler Magie.

Alina und Malyen konnten nach einem furchtbaren Kampf auf der Schattenflur vor dem Dunklen fliehen. Gerüchten zu Folge soll der Dunkle diesen überlebt haben, und sich bereits auf der Suche nach Alina befinden. Der Dunkle strebt den Zarenthron an, doch dies kann nur mit Hilfe der Sonnenkriegerin geschehen und ihm sind dabei alle Mittel und Wege recht.

Meine Erwartungen an dieses Buch waren riesig, nach dem mich der Vorgänger nur teils überzeugen konnte. Für mich war klar, die Fortsetzung muss einiges bieten, um mich zu flashen und die ersten hundert Seiten fingen garnicht mal so schlecht an. Wieder mitten ins Geschehen geworfen, begleiten wir Alina und Mal in ihrer neuen Heimat. Doch schnell merken sie, dass sie sich nicht nach dem Kampf mit dem Dunklen ausruhen können. Er ist ihnen näher auf der Spur, als vermutet und die Spannung stieg ins Unermessliche.

„Das Letzte, was ich hörte, war die Stimme des Dunklen – so deutlich, als würde er neben mir liegen und den Mund gegen mein Ohr pressen, damit nur ich hören konnte, was er sagte: Ich danke dir.“

Alina hat mich auf Grund ihrer Naivität und Unüberlegtheit bereits im ersten Band zweifeln lassen, aber nach dem zweiten Teil steht ganz sicher fest, dass diese nicht auf meiner Lieblingsprota-Liste stehen wird. Ich weiß nicht was man sich hierbei gedacht hat, eine Persönlichkeitsentwicklung ist quasi nicht vorhanden. Leider konnte ich keinerlei Bindung oder Sympathie zu ihr aufbauen. Sie lies mich schlicht und einfach mit den Augen rollen. Einzig ihre Gier nach Mehr, nach den Kraftmehrern war ein toller Ansatzpunkt, jedoch blieb der große Knall aus. Ist sie nun böse und dunkel, oder bleibt sie das naive Dummchen? Sie widerspricht sich selbst. Eine Sympathieträgerin sieht anders aus. Dabei hätte sie als Bösewicht oder eben Heldin eine gute Rolle abgeben können.

Mal soll sich als berühmt berüchtigter Fährtenleser in diesem Band nach der Meeresgeißel – dem zweiten Kräftemehrer, umschauen. Auch wenn er Angst vor Alina´s wachsender Macht hat, und dies eigentlich nicht will, beugt er sich ihren Wünschen. Ob er das einzig aus Liebe tut? Wahrscheinlich, aber ob diese Liebe wirklich eine Zukunft hat, ist eine andere Frage. Ich finde die Idee um das Fährtenlesen super interessant, aber die Umsetzung ist schon fast lächerlich. Wir erfahren rein garnichts über Mals Arbeit und wie aus dem Nichts findet er einen Kräftemehrer nach dem anderen und das Erlegen stellt sich auch nicht als sonderlich anspruchsvoll dar, was es ja irgendwie unlogisch macht, da diese Wesen ja so besonders und schwer erreichbar sein sollen.

„Kräftemehrer können nicht miteinander verbunden werden. Darin sind sich alle Bücher einig …“

Der Dunkle bleibt auch in diesem Teil undurchsichtig. Seine Boshaftigkeit und seine Gier nach dem Zarenthron gefielen mir sehr gut, doch insgesamt bin ich genauso schlau, wie auch schon im ersten Band. Wo sind hier die Emotionen, die Gefühle und das Verständnis? An sich mag ich Mysterien, aber die Ausarbeitung des Charakters ist mir zu wage. Ich möchte mehr über ihn erfahren und Einblicke in sein Wesen bekommen. Aber es bleibt bei Oberflächlichkeiten.

Ein weiterer interessanter Charakter ist Sturmhond, der in diesem Band Teil des Buches wird. Als Freibeuter bringt er und seine Kumpanen frischen Wind auf die Hohe See und gemeinsam mischen sie die Geschichte ordentlich auf. Es gibt hier sogar eine kleine Überraschung, die ich garnicht mal so übel fand. Dennoch verstehe ich den Hype um den Charakter nach diesem Band noch nicht. Vielleicht ändert sich das aber schon im Finale dieser Reihe, welchen ich schon bald zur Hand nehmen möchte.

Leigh Barudgo schafft interessante Charaktere, die im Kopf blieben, über die man grübeln kann, aber vieles ist zu unausgereift, was vielleicht auch dem geschuldet ist, dass diese Reihe zu ihren Erstlingswerken gehört, und somit nun mal Luft nach oben ist. Für mich war dieser Band okay, aber diente viel mehr als Füller. Im Nachhinein betrachtet gefällt mir der Auftakt dann doch besser. Ich hoffe ja, das mich der abschließende Band dann doch noch abholen kann und mir einiges an Aufklärung bietet. Nichtsdestotrotz konnte ich mich wieder in dem Schreibstil verlieren und habe schöne Umschreibungen der magisch, russisch-angehauchten Welt genossen.

„Ich sah zu den Sternen auf. Der Himmel war wie schwarzer Samt, übersät von Edelsteinen. Auf einmal wurde ich von einem unstillbaren Verlangen erfüllt. Ich will es, dachte ich. All das Licht, die ganze Macht. Ich will alles.

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BUCHDETAILS

Herausgeber: Knaur Verlag | Autor: Leigh Bardugo | ET: 01.10.2019 | Buchlänge: 448 Seiten | ISBN: 978-3426525661 | ERWERBEN

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