Leaving the Frame – Maria Ehrich | Rezension

Leaving the Frame – Maria Ehrich | Rezension

„Ich konnte mir noch so sehr wünschen, dies oder das zu sein, klüger, hübscher, erfolgreicher, sportlicher, wortgewandter, lauter, leiser – solange ich mir etwas vormachte und es im Grunde nicht wirklich ich war, wäre all die Zeit, all der Aufwand, zu versuchen, irgendetwas zu sein, verschwendet.“ 

Maria Ehrich

REZENSION

Ich liebe Reiseberichte und als ich gehört habe, dass die Schauspielerin der Edelstein-Trilogie ein Buch über die gemeinsame Weltreise mit ihrem Freund rausbringt, war ich sofort Feuer und Flamme.

Maria Ehrich ist eine begabte junge, deutsche Schauspielerin, die mit Sicherheit die meisten von euch kennen werden. Schon früh hat sie damit angefangen ihren Traum zum Beruf zu machen und stand so gut wie immer auf der Bühne, aber sie hatte auch schon immer private Träume. Eine Reise fernab von Drehbüchern. Nur das Pärchen unter sich, auf der Suche nach Helden.

Maria und Manu begleiten wir von Anbeginn und erleben die Planung der Reiseziele mit und erfahren, warum sie diese Reise denn überhaupt machen wollen. Es wird viel Persönliches ausgepackt und ich habe es genossen mehr über die beiden zu erfahren. Sie sind total gegensätzlich, wie wir währenddessen erfahren. Die Fetzen fliegen gerne mal, aber genauso sind die beiden stets eine Stütze für den anderen. Keine Sorge, euch erwartet hier keine Lovestory von zwei Liebenden auf ihrer Reise. Nein, es geht viel mehr darum, sich selbst zu finden und Momente einzufangen, sie zu erleben und zu sammeln. Ganz besonders wichtig war es den beiden auf ihrer Reise Kontakte mit anderen Menschen zu knüpfen und vor allem Geschichten vermeintlicher Helden zu lauschen.

Wir treffen auf dem Buch unter anderem auf Sister Mary Jane, die sich für Kinder einsetzt, ihnen ein Leben auf Spendenbasis bietet und sich darum kümmert, dass all ihre Kinder eine Schulbildung haben. Oder Simon, der sich für unbeliebte Raubvögel einsetzt, ihre Verletzungen gesund pflegt, und dass obwohl er auf verbotenem Terrain lebt. Hier sind unzählige persönliche Geschichten vertreten, die diese Reise nochmals aufwerten und vor allem unterstreichen. Es gab jede Menge Gänsehaut-Momente und Anregungen. Vor allem die Geschichte mit den Kriegskindern, die tatsächlich nur eine Erzählung eines Freundes war, hat mich zutiefst getroffen.

„>>Jesus, come down!<<, gluckste sie und klatschte sich dabei in die Hände, als hätten wir einen unserer besten Witze ausgepackt. Verblüfft sah ich sie an. Wie konnte jemand, der so wenig Geld und so viele Sorgen hatte, eine solche Lebensfreude in sich tragen? Ich dachte an meine eigene schwarze Wolke und wie sie sich in Berlin immer weiter über mir ausgebreitet hatte, immer schwärzer wurde, obwohl ich doch all das hatte, was Sister Mary Jane fehlte. Oder?“

Während der Weltreise von Berlin, über Afrika bis nach Mexiko entscheiden sich die beiden mehr oder weniger spontan ihren weiteren Weg mit einem beigen Käfer fortzuführen. Manu liebt Oldtimer und währenddes Lesens habe ich mir das Glitzern in seinen Augen vorstellen können – Wie hätte Maria da nicht begeistert einstimmen können? Die Suche war zwar schwer, aber unverhofft, kommt nun mal oft. Mit dem Käfer geht es dann ab in die USA bis nach Neufundland.

Dieses Buch erzählt von zwei jungen Menschen auf der Suche nach dem großen Abenteuer. Auf der Suche nach dem großen Glück. Auf der Suche nach Geschichten, Weisheiten und Momentaufnahmen. Ganz besonders habe ich all die Tierbegegnungen geliebt. Die Beschreibungen waren einfach wunderschön und ich mag mir garnicht vorstellen, wie atemberaubend es sein muss in einem kleinen Boot zu sitzen, während ein gigantischer Wal unter dir taucht. Dennoch zeigen die beiden auch die Schattenseiten der Reise auf. Sie treffen auf Ablehnung, kämpfen mit Ängsten, haben Zweifel, und gehen an ihre Grenzen.

Der Reisebericht war großartig, er hat mich mitgerissen und unterhalten, aber auch zufrieden zurück gelassen, nachdem ich das Buch zugeklappt habe. Was ich wohl auch so an Auslandsberichten liebe, ist der Umgang und das Persönliche was man durch andere Mitmenschen erlebt und erfährt. Sei es, wenn man Hilfe braucht oder einfach nur ein nettes Gespräch sucht. So viel Zwischenmenschliches, was hier in Deutschland garnicht mehr gang und gebe ist. Vielleicht wären Zeitangaben oder ein paar mehr Details noch schön gewesen, aber das ist nur eine Kleinigkeit, die mir aufgefallen ist. Der Schreibstil von Maria, die sich selbst nicht als Autorin bezeichnet war super flüssig, offen, ehrlich, authentisch und mit genau der richtigen Prise Humor. Ich hatte meinen Spaß und kann euch dieses Buch absolut empfehlen.

Im übrigen läuft zu dem Buch gerade auch eine ergänzende Dokumentation in den Kinos, die ich mir auch noch unbedingt ansehen möchte. Maria und Manu haben nämlich ihre Weltreise nicht nur in Buchform herausgebracht, nein, sie haben auch noch ihre Erlebnisse auf der Kamera selbstständig festgehalten und nachdem ich den Trailer gesehen habe, muss ich einfach ins Kino stürmen oder eben auf eine DVD hoffen, da es nur noch wenige Spieltermine in wenigen Städten gibt!

„Dieser schimmernde, türkisblaue Schein an der Wasseroberfläche, kurz nachdem ein Wal abtauchte, würde für immer meine Lieblingsfarbe sein.“

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BUCHDETAILS

Herausgeber: Ullstein Verlag | Autor: Maria Ehrich | ET: 30.08.2019 | Buchlänge: 288 Seiten | ISBN: 978-3548060507 | ERWERBEN

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