Burning Bridges – Tami Fischer | Rezension

Burning Bridges – Tami Fischer | Rezension

„Nicht mein Typ und viel zu alt für mich. Ist doch egal, dröhnte eine Stimme in meinem Kopf. Ist doch egal. Wie auch immer. Einfach treiben lassen.“ 

Tami Fischer

REZENSION

Wenn ein neuer Bloggerstern am Autorenhimmel erwacht, dann bin ich oft ganz neugierig und muss es einfach mit dem erschienenen Buch versuchen, auch wenn ich dem Genre New Adult nicht so ganz angetan bin, und dennoch immer wieder auf der Suche nach einem guten Titel bin, wie ihr wisst. Burning Bridges ist jetzt schon ein Bestseller und ich kann es verstehen, da die junge Autorin Tami Fischer schon seit einigen Jahren bekannte Youtuberin, Bloggerin und Buchhändlerin ist. Sie wirkt sehr sympathisch und ich selbst verfolge sie gerne und freue mich, dass sie ein Buch mit Erfolg heraus gebracht hat. – Und dann auch noch so ein wunderschönes! Das Cover ist wirklich toll und der Titel verspricht ja schon einiges.

In dem Buch geht es um Ella, die von ihrem Freund betrogen wurde. Völlig am Boden zerstört läuft sie allein durch die Nacht und wird von drei Kerlen belästigt. Sie hat aber Glück, denn ein Fremder rettet sie aus der Situation. Und Ches, der Typ aus dem Untergrund mit schlechter Vergangenheit tritt dann nach und nach mehr in ihr Leben. – Die Geschichte klingt jetzt erstmal nach einem ganz normalen 0815 New Adult Roman, aber durch diesen extremen Hype waren meine Erwartungen doch sehr hoch. Ich habe mir etwas kluges, innovatives, gut recherchiertes inklusiver ernster Thematik darunter vorgestellt, aber was ich dann gelesen habe, hat mich leider absolut enttäuscht.

Das es hier zu einer Lovestory zwischen Ella und Ches kommt, ist keine Überraschung, aber diese war super unglaubwürdig. Sie lädt ihn zum Frühstück in ihr Auto, dort ist es ihr zu eng, deswegen nimmt sie ihn gleich mit zu sich nach Hause, lässt ihn bei sich duschen und wäscht dann auch noch seine Hose, so dass er halbnackt darauf warten muss, dass seine Kleidung trocken ist, um wieder gehen zu können. Also merkt ihr was? – Das passiert nicht mal in einem Hollywood-Film, vielleicht in einer Komödie… Jedenfalls kommen sich die beiden super schnell nah und fühlen sich voneinander angezogen, aber stoßen sich trotz sexueller Anspannung immer wieder von sich ab. Und alles wird damit abgetan, dass Ella jetzt Ella 2.0 ist und Ches sie nicht in seine dunkle Vergangenheit mitziehen will. Dieses hin und her ist ja noch eine Sache, die ich so hinnehmen kann, weil das nun mal dem Genre gerecht wird, aber dieses ewige hinauszögern bis auf die letzten 60 Seiten, hat mich wirklich Nerven gekostet. Eine Bindung zu den Charakteren konnte ich auch nicht aufbauen. Sei es Ella, Ches oder die ganzen Freunde. Sie waren mir alle schnurzpiepegal. Ella ist anstrengend und vor allem naiv. Ich hoffe andere Mädchen nehmen sich an ihr keine Beispiel, was vor allem Alkoholkonsum und fremde Männer angeht.

Etwas das ich ebenfalls fragwürdig finde ist, mit wie vielen ernsten Themen hier einfach so um die Ohren geschmissen wird. Wir hätten da sexuelle Belästigung, versuchte Vergewaltigung, körperliche Gewalt, Gangs & Clans, Drogenmissbrauch usw… Und alles wurde einfach so in den Raum geworfen, aber sich damit intensiv auseinander gesetzt? – Leider Fehlanzeige. Es wirkt alles extrem gewollt, als müsste man sämtliche Themen mit einbinden, um dem Buch einen Wert aufzuzwingen, was ich super schade finde. Gefahrensituationen werden einfach schnell abgetan. Auch das hier dann sogar die Mafia ins Spiel kommt, und die Protagonistin mit dem Mafia-Chef verhandelt ist absolut unglaubwürdig. Normalerweise ist unter der Mafia mit Mord und Totschlag zu rechnen, aber wir bekommen hier ein Happy End. Da hat sich die Autorin einfach zuviel vorgenommen und viel zu viel gewollt.

Das Buch war einfach und flüssig zu lesen, trotzdem gab es hier keine Besonderheiten oder einen Wiedererkennungswert. Ständige Wiederholungen und ständiges Gefluche lagen hier an der Tagesordnung. Worte wie Sexy, Heiß und Heilige Hölle sind quasi im Dauereinsatz und mich hat es schlichtweg und einfach gelangweilt. Parallelen zu Kneidl und Co waren auch vorhanden, ein Fandom nach dem anderen wurde hier eingebaut. Ich habe mir so viel erhofft, etwas kluges, etwas witzig, eine schöne Lovestory, aber ich bekam genau das Gegenteil. Vielleicht mag das Buch etwas für jüngere Leser sein, die vieles nicht hinterfragen und es einfach nur runter lesen um eine wenig berieselt zu werden, aber meinen Geschmack traf es leider nicht.

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BUCHDETAILS

Herausgeber: Knaur Verlag | Autor: Tami Fischer | ET: 01.10.2019 | Buchlänge: 400 Seiten | ISBN: 978-3426524572 | ERWERBEN

2 Kommentare

  1. 25. Oktober 2019 / 12:59

    Liebe Stella,

    als ich sah, dass du das Buch liest, habe ich mir schon fast gedacht, dass du weniger Freude daran haben wirst. Irgendwie greift es schon jedes Klischee auf, dass das Genre zu bieten hat. Ich war ja auch nicht Ellas größter Fan, deswegen verstehe ich dich da. Ich glaube, dass viele Probleme des Buches einfach durch Ellas Figur entstehen und nicht, weil die Autorin sie nicht ordentlich ansprechen wollte. Ella kam mir sehr wie jemand vor, die ihre Probleme lieber verdrängt, anstatt sie ordentlich aufzuarbeiten, was dann wiederum zu den vielen blöden Situationen geführt hat. Ich hatte ab der Hälfte auch erstmal keinen Spaß mehr damit, habe mich dann aber nochmal genauer mit Ella auseinander gesetzt, weil sie mich vom Wesen irgendwie schon an die Autorin erinnert und diese ja doch nicht so blauäugig ist, wie Ella.
    Dennoch finde ich deine Argumente sehr gut und stichhaltig, ich finds auch ganz toll, dass es mal eine negativere Rezension zu dem Buch gibt, weil es ja schon stark gehyped wird. Und ich hoffe, dass sich wirklich niemand ein Beispiel an Ella und ihrem Alkoholkonsum nimmt. Das fand ich besonders furchtbar.

    Alles Liebe
    Friederike.

    • Stella
      Autor
      18. November 2019 / 9:59

      Hey liebe Friederike,

      ich finde deine Sicht sehr interessant. Ella war mir viel zu blauäugig, da hab ich von der Autorin einfach mehr erwartet. Da sehe ich zwischen Autorin und Prota tatsächlich keinerlei Übereinstimmung – Zumindest von dem her was ich so online sehe. Persönlich kenne ich sie nicht.
      Ich denke, bei gehypten deutschen Autoren liegt es meist an der Fanbase. Diese ist häufig so stark ausgeprägt, sodass sich Leser in alles verlieben und somit weniger zu kritisieren haben. Da fehlt mir die Distanz, weswegen es auch seltener Kritik gibt (vllt traut sich der ein oder andere auch nicht). Und dazu kommt noch der individuelle Geschmack eines Jeden, was ja auch gut ist. : )

      Danke für dein liebes Kommentar.
      Liebe Grüße, Stella

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