Der Report der Magd – Margaret Atwood | Rezension

Der Report der Magd – Margaret Atwood | Rezension

„Das ist die Note, die sie mögen: Volkskunst, archaisch, von Frauen in ihrer Freizeit gemacht aus Dingen, die sonst nicht mehr zu gebrauchen sind. Eine Rückkehr zu traditionellen Werten. Nichts entbehrt, wer der Verschwendung wehrt. Ich werde nicht verschwendet. Warum entbehre ich so viel?“ 

Margaret Atwood

REZENSION

Wenn Frauen ihre Rechte verlieren: Margaret Atwood beschreibt in einer dystopischen Welt den Verlust von Macht, Eigentum, Liebe und Wertschätzung. Frauen, die einst gelebt haben, vielleicht mal eine Familie und ein ganz normalen Arbeitsalltag hatten. Frauen, die alles verloren haben und nun in einer abscheulichen neuen Welt einen Platz finden müssen. Einen Ausweg scheint es nicht zu geben.

Die Magd, welche uns ihre Geschichte preisgibt, trägt einen neuen Namen. Desfred wird sie genannt, aber ihren richtigen Namen kennen wir nicht. Sie verliert Job, Mann und Kind und lebt von nun an bei den Roten. Sie hat tagtägliche Aufgaben zu erledigen, an der Seite einer Mitgenossin und das ganze ohne großes Geschwätz, ohne Widerreden und ohne Bezahlung. Ihr wird ein Zimmer gewährt und sie bekommt Mahlzeiten zugeteilt. Und an sonsten hat sie ihren Körper und ihr Leben stets für höher gestellte Personen bereit zu halten. Die Frage ist, wie es überhaupt zu dieser Szenerie kommen konnte.

Wir begleiten also Desfred, und ihren Lebenslauf, der wahrlich erschreckend ist. Wenn Frauen von jetzt auf gleich alles verlieren. Erst ihre Arbeit und den Anspruch auf Besitz, wie zB Geld und dann sich selbst. Sie wird genau wie alle anderen als Objekt behandelt, vollkommen entmündigt und hat zu gehorchen. Wenn Frauen zu Geburtsmaschinen werden und denen dienen sollen, die über ihnen stehen. Die darauf folgende Gehirnwäsche nicht zu vergessen. Ihnen wird von ihren Anführerinnen – den Tanten – indoktriniert, dass das was sie tun das Richtige ist. Zu Glauben, was man tut. Textstellenweise war es, als würde man über eine Sekte lesen. Wie kann es zu so einem Vergehen überhaupt erst kommen? Genau das hinterfragt Margaret Atwood.

Freiheit verliert sich in diesem Buch gänzlich und dabei ist dieses Buch erschreckend und hart. Es hat mich teilweise so fassungslos gemacht, dass ich es am liebsten weggelegt hätte. Aber wie das bei uns Menschen so ist, schauen wir ja doch wieder hin, bzw in diesem Fall musste ich einfach weiter lesen. Hier sind Sexszenen beschrieben, auf dessen Idee ich noch nicht einmal gekommen wäre. Absurd, schockierend und aufwühlend. So würde ich die neue Welt beschreiben.

Uns erwarten hier Machtspiele, dunkle Geheimnisse, und die große Frage, wem man denn überhaupt noch Vertrauen schenken kann in dieser bröckelnden Welt? Diese Geschichte bleibt im Gedächtnis und wird wohl noch lange nachhallen. Wirklich ein gelungenes Werk, das eine Thematik behandelt, die garnicht mal so abwegig ist, aber hoffentlich niemals eintreten wird. Und nach dem Ende muss ich die Fortsetzung selbstverständlich schon bald zur Hand nehmen.

„Aber wessen Schuld war das?, fragt Tante Helena und streckt den dicken Zeigefinger in die Höhe.
Ihre eigene, ihre eigene, ihre eigene, rufen wir im Chor.
Wer hat sie verführt? Tante Helena strahlt – sie ist mit uns zufrieden.
Sie war es. Sie war es. Sie war es.
Warum hat Gott so etwas Schreckliches zugelassen?
Damit sie etwas daraus lernt. Damit sie etwas daraus lernt. Damit sie etwas daraus lernt.“

Margaret Atwood

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BUCHDETAILS

Herausgeber: Piper Verlag | Autor: Margaret Atwood | ET: 03.04.2017 | Buchlänge: 416 Seiten | ISBN: 978-3492311168 | ERWERBEN

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