Die Musik der Stille – Patrick Rothfuss | Rezension

Die Musik der Stille – Patrick Rothfuss | Rezension

„Auf dem warmen, glatten Steinboden von Mantel sitzend, erschauderte Auri bei der Vorstellung, in einer derart freudlosen Welt zu leben. Nichts Vollkommenes. Nichts Schönes und Wahres. Oh nein. Sie war klug genug, nicht so leben zu wollen. Auri schaute sich um und lächelte angesichts ihres ganzes Luxus. Sie hatte ein vollkommenes Blatt, und sie hatte Lavendel. Sie trug ihr Lieblingskleid. Ihr Name war Auri, und dieser Name war ein glänzendes Stück Gold, das sie die ganze Zeit in sich trug.“ 

Patrick Rothfuss

REZENSION

Wer sich in die Königsmörder Chronik verliebt hat, wird um Die Musik der Stille nicht herum kommen, denn es ist ein Zusatzband zu der Hauptgeschichte. Allerdings dreht sich diese nicht um Kvothe, sondern um Auri, die als Freundin einen Teil in seinem Leben eingenommen hatte.

Patrick Rothfuss selbst rät nicht bedingt zu diesem Buch, wie man ganz klar seiner Vorbemerkung entnehmen kann. Dieses Buch sei nicht für jeden etwas, vor allem nicht, wenn man sich nach Kvothe sehnt. Hierbei wird dieser wohl erwähnt, aber Hauptakteur ist Auri. Wir haben sie bereits im ersten Teil Der Name des Windes kennen und lieben lernen dürfen. Sie war auch da schon so speziell und vor allem rätselhaft, steckte voller Geheimnisse und hatte immer einen ganz besonderen Blick auf die Dinge und auf Wahrheiten. Für manche mag sie verrückt oder gar merkwürdig erscheinen, aber genau das macht sie aus, und so unfassbar liebenswert.

Während normale Bücher von Handlungssträngen und Spannungsbögen leben, lebt diese ganz alleine von Auri und ihren Gedanken. Sie lebt im uns bekannten Unterding, beschäftigt sich mit den unbelebten Dingen, die sie umgibt und macht je nachdem was für ein Tag ist, Alltagsdinge. Und genau dabei begleiten wir sie. Sie flößt allem um sich herum so viel Leben ein und schätzt Dinge sehr viel mehr, als wir es tun. Sie hat dabei einen so bestimmten Blick und Gedankengänge. Sie sieht in dem meisten das Schöne und kämpft sich so durchs Leben, auch wenn sie dabei eigentlich ziemlich einsam ist. Dort wo sie lebt ist es nämlich eigentlich eher kalt, düster, bedrückend und garnicht mal so schön, wie vermutet. Und auch wenn sie mal wieder diese Einsamkeit und Traurigkeit verspürt, die sie immer mal wieder überkommt, so weiß sie das es einen neuen Tag geben wird. Einen, der nicht mit Leere gefüllt sein wird. Einen, an dem sie Aufgaben erfüllt. Regeln und Gesetze, die sie selbst schreibt. Dennoch hat sie eine immer wiederkehrende Freude, denn sie wird schon bald auf Kvothe treffen und ihm etwas übergeben. Darauf bereitet sie sich vor und diese Vorfreude ist ansteckend.

Dieses Buch ist auch wieder so eine Art Seelenspiegel von dem Autor. Ich denke er kann garnicht anders, als sich selbst in seinen Charakteren zu verewigen und dabei ist er immer so behutsam und extrem durchdacht. Er schreibt nicht für uns, sondern für sich selbst und genau das macht ihn zu so einen unübertroffenen Künstler. Er ist ein Poet und hinterlässt Spuren nach dem Beenden eines Buches. Ich bin dankbar, dass ich Rothfuss für mich entdeckt habe und das ich mit diesem Band nochmal ein wenig mehr über ihn und über Auri erfahren durfte.

Es fühlt sich endgültig an, wenn man ein Buch zuschlägt und weiß, dass in allzu naher Zukunft erstmal noch nichts Neues vom Lieblingsautor ansteht, aber bis ich endlich Kvothe´s dritten Tag erleben darf, werde ich einfach alle bisher erschienenen Werke immer wieder rereaden. Ob ich Rothfuss´Bücher empfehle sollte außer Frage stehen! Wenn jemand meine Buchwelt verändert hat und mir viel auf meinem Weg mitgeben konnte, dann ist es Rothfuss und kein anderer.

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BUCHDETAILS

Herausgeber: Klett-Cotta Verlag | Autor: Patrick Rothfuss | ET: 09.11.2015 | Buchlänge: 173 Seiten | ISBN: 978-3608960204 | ERWERBEN

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