Um Leben und Tod – Michael Robotham | Rezension

Um Leben und Tod – Michael Robotham | Rezension

„Manche Männer verrotten an einem Ort wie diesem. Sie werden alt und verbittert und reden sich ein, die Gesellschaft ist schuld oder sie sind bloß Opfer ihrer beschissenen Kindheit oder von widrigen Umständen. Andere hadern mit Gott, oder sie suchen ihn. Manche malen, schreiben Gedichte oder lesen die Klassiker. Wieder andere stemmen Gewichte, spielen Handball oder schreiben Briefe an Mädchen, die sie geliebt haben, bevor ihr Leben den Bach runterging. Audie hat nichts von alldem gemacht.“ 

Michael Robotham

REZENSION

Um Leben und Tod lag zwischen meinen bereits aussortierten Büchern, da ich es mittlerweile schon so lange ungelesen im Regal hatte, und wer mich kennt, der weiß wie radikal ich mein komplettes Bücherregal aussortiert habe. Zudem hat mich seit dem Frühling diesen Jahres eine langanhaltende Leseflaute begleitet. Dieser Thriller hat mir da ganz spontan heraus geholfen. Eines Nachmittags saß ich verträumt auf der Couch und da hat mich dieses Buch rechts neben mir so angelächelt und das obwohl ich mir am Tag zuvor eine WTR Liste vorbereitet hatte, bloß das ich mich nicht aufraffen konnte mit einem von den Titeln zu beginnen. Das zeigt mir mal wieder auf, dass ich ein sehr spontaner und intuitiver Leser bin und das ist auch gut so.

Einfach mal kurz in das Buch rein lesen habe ich mir gedacht und schwupp waren die ersten 60 Seiten verflogen. Ganz begeistert von mir selbst habe ich dann noch weitere 80 Seiten gelesen und das spricht doch schon mal für Robotham´s Schreibstil. Kurze Kapitel, Spannungsgeladen und komplex. Ähnlich wie Fitzek´s Bücher, bloß das ich erstmals einen reinen Thriller – sonst Psychothriller – von Robotham gelesen habe. Ich kannte schon ein paar seiner Werke und war immer sehr angetan, dementsprechend frage ich mich warum ich das Buch überhaupt aussortieren wollte.

In diesem Buch geht es um Audie, der wegen eines 7 Millionen Dollar Raubüberfalls für ganze 10 Jahre verknackt wurde und einen Tag vor seiner Entlassung Ausreiß macht. Da fragt man sich doch schnell: Wie bekloppt kann ein Mensch eigentlich sein? Er ist am kommenden Tag ein freier Mann, aber nun ist er ein geflohener Sträfling, nachdem gefahndet wird. Audie ist ein sehr spezieller Charakter, wie man schon im obigen Zitat rauslesen kann. Er hat seine 10 Jahre abgesessen und über diesen Zeitraum, wurde er ohne Ende schikaniert und ständig nach den 7 Millionen Dollar gefragt, da diese bis heute nicht aufgetaucht sind. Jeder wollte eine Stück vom Kuchen. Er hat sich viele Feinde im Knast und auch da draußen gemacht und viel einstecken müssen, aber sich nie unterkriegen lassen und schlussendlich auch einen guten Freund gefunden. Moss ein stemmiger großer Mann, der lebenslänglich bekommen hat und an seiner Seite steht. Dass Audie ausbrechen wollte, wusste Moss nicht und trotzdem gehört er als nahe stehender Freund zu den Befragten. Keiner schenkt Moss glauben und so wird er auf die Probe gestellt. Es erwartet uns ein nie endender Alptraum, dem keiner so richtig zu entkommen scheint.

Die Geschichte zeigt nicht nur die Flucht und Gegenwart auf, Nein, sie beschäftigt sich auch immer wieder mit Rückblenden aus Audie´s Leben vor dem Raub. Seine Vergangenheit war ziemlich hart und prägsam. Er hatte Verluste zu erdulden und ein Versprechen gegeben, dass er nicht halten konnte. Nach und nach fügt sich alles und ich konnte recht schnell erahnen, wie dieses Buch ausgehen wird. Ist Audie wirklich der Täter? Warum sind 4 Menschen währenddes Raubes umgekommen und warum kann Audie seine Angelegenheiten nicht erst nach der Freilassung regeln. Ich denke tatsächlich, dass viele Leser nicht so schnell auf das Ergebnis kommen, wie es bei mir der Fall war, aber das liegt auch einfach daran das ich Thriller nicht einfach „nur lesen“ kann. In meinem Kopf rattert es ohne Ende, ich lese die ganze Zeit zwischen den Zeilen, ich verdächtigte Personen und dieses Spinnennetz ergibt dann oft auch Sinn. So war es leider auch in dieser Geschichte. Ich sage „leider“, weil es mir natürlich schnell den Spaß am Finale nimmt, weil ich mir trotz meiner Vermutungen ein anderes Ende erhoffe. Aber ein Detail am Ende konnte mich dann doch noch überraschen, was mich letzlich doch noch glücklich machen konnte.

Versteht mich nicht falsch, Um Leben und Tod ist gewiss kein schlechtes Buch. ich mag die Bücher des Autoren sehr und dieses hat auch Potential. Allerdings waren es für mich einfach zu viele Hinweise. Es ist auch definitiv eine tolle Geschichte für Fans von Prison Break, nur habe ich persönlich schon „extremeres“ von Robotham gelesen, was mich so richtig packen konnte, allerdings waren das auch einfach immer Psychothriller und das ist im Nachhinein betrachtet doch eher meins. Dennoch kann ich dieses Buch guten Gewissens allen Krimi und Thriller-Fans ans Herz legen, denn es ist ein wahrer Pageturner und wirklich grandios geschrieben.

KATEGORIE

ZWISCHENDURCHTIPP
MEHR ÜBER MEIN BEWERTUNGSSYSTEM

BUCHDETAILS

Herausgeber: Goldmann Verlag | Autor: Michael Robotham | ET: 20.07.2015 | Buchlänge: 480 Seiten | ISBN: 978-3442482818 | ERWERBEN

2 Kommentare

  1. 9. August 2019 / 14:03

    Liebe Stella,
    von dem, was du von dem Buch erzählst, klingt es wie eine Geschichte, die mich tatsächlich ansprechen würde. Und das, obwohl in der Regel kein großer Fan von Krimis oder Thrillern bin. Aber allein die Tatsache, dass er einen Tag vor dem Ende seiner Haftstrafe ausbricht? Wtf? 😀
    Ich bin übrigens auch ein sehr intuitiver und spontaner Leser. Richtig planen kann ich bei Büchern nicht. Wenn ich mir ein Buch aus einer Liste nehme, habe ich oft das Gefühl, ich müsste es lesen…
    Alles Liebe
    Janika

    • Stella
      Autor
      19. September 2019 / 13:37

      Hey liebe Janika,

      ich freu mich über dein Feedback. Wer weiß, vllt probierst du dich einfach mal an dem Genre. : )
      Leselisten sind eh so eine Sache für sich. ich habe auch eine grobe an der ich mich orientiere, um den Überblick nicht zu verlieren, aber dennoch lese ich immer das, worauf ich Lust habe. Sonst verfällt es in ein Muss, wie du so schön beschreiben hast, und genau das MUSS ja nicht sein.

      Liebe Grüße, Stella

Schreibe einen Kommentar zu Stella Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld!

*

Ich stimme zu.