Niemalswelt – Marisha Pessl | Rezension

Niemalswelt – Marisha Pessl | Rezension

„Ihr seid alle beinahe tot. Festgehalten in einem Raum zwischen Leben und Tod. Für euch hat die Zeit einen Sprung bekommen, wie eine Schallplatte, und bildet jetzt eine geschlossene Potentialitätsschleife, eine Art Wache in der sogenannten Niemalswelt.“

Marisha Pessl

BUCHDETAILS

Herausgeber: Carlsen | Autor: Marisha Pessl | Originaltitel: Neverworld Wake | Übersetzung: Claudia Feldmann | Erscheinungstag: 22.03.19 | Buchlänge: 384 Seiten | ISBN: 978-3551584007 | Preis: Hardcover 18,00€  | ERWERBEN

REZENSION

Eingesperrt zwischen Raum und Zeit zu sein, stelle ich mir skurril, sowie unheimlich vor. Jeden Tag dasselbe erleben, wir wir es schon aus Täglich grüßt das Murmeltier kennen. Stellt euch mal vor ihr wärt in einer solchen Zeitschleife gefangen. Was tun? Marisha Pessl hat dem ganzen einen Namen gegeben und zwar die Niemalswelt. Dieser Ort scheint wirklich und unwirklich zugleich.

Bee hat ihre ehemals besten Freunde, seit dem ungeklärtem Tod von Jim nicht wieder gesehen. Nach einem Jahr voller Trauerbewältigung und Kraft schöpfen, trifft sie sich wieder mit ihren Freunden. Der Abend endet mit einem Autounfall, doch die Kids erwachen wieder in ihrem Wagen und wissen nicht wie ihnen geschieht. Zu allem Übel taucht auch noch ein Mann auf, der sich Der Wächter nennt und erzählt von einer Zeitschleife und einer Abstimmung, die die Freunde gemeinsam treffen müssen.

Wie schon zu erahnen geraten die fünf Freunde in Panik, als sie merken, dass der Wächter nicht nur ein Märchen erzählt hat. Die Gruppe gerät aus den Fugen und wird gespalten, denn keiner möchte für einen anderen abstimmen. Alle möchten überleben, geschenkt wird sich nichts. Folge davon sind unter anderem Alkoholkonsum, Drogen, Machtspiele und zig Fluchtversuche. Doch Aufwachen tun sie alle immer wieder am selben Ort. Bee versucht eine Lösung für das ganze zu finden und durch das Zusammentreffen, holt Jim´s Tod sie wieder ein. Gemeinsam versuchen die Jugendlichen also das mögliche Verbrechen aufzuklären und schnell wird klar das auch sie selbst involviert waren.

Das Buch ist ähnlich wie ein Thriller aufgebaut. Knackige Kapitel, die zum Ende hin Lust auf mehr machen, weswegen es schwer fällt das Buch aus den Händen zulegen. Man fängt automatisch an von Anfang an mitzurätseln, wie es denn zu Jim´s Tod kam, und genau das hat mir anfangs so viel Freude bereitet. Leider wurde dem Detektiv-Spiel aber ein schnelles Ende gesetzt, denn für mich war baldig klar, wie die Geschichte enden wird. Und ich muss ehrlich sagen, wenn mich ein Autor in einem Spannungsroman zum Ende nicht mehr mit einem Twist überraschen kann, dann bin ich so gut wie immer enttäuscht. So auch hier, und ich muss sagen, dass ich es verdammt schade finde, denn der Anfang war einfach nur gigantisch, energiegeladen, spannend und schrie nach einem ganz besonderen Abenteuer. Ich hätte mir so sehr ein alternatives Ende gewünscht, nicht das Offensichtlichste.

Über die Charakterzeichnungen kann man sich streiten. Dafür das Bee ja unsere Hauptprota war und sie einen schweren Verlust durchgemacht hat, schien sie mir viel zu unnahbar. Ich konnte mich weder mit ihr identifizieren, noch habe ich in irgendeiner Art und Weise mit ihr mitgelitten, was jetzt vielleicht etwas hart klingt, aber so war es. Auch die anderen Charaktere wurden recht flach gehalten, so dass ich zu ihnen ebenfalls keine Beziehung aufbauen konnte. Einzig der Wächter, der anfangs noch präsent war und dann nach und nach in den Hintergrund rückt, was ich im übrigen echt schade fand, war sehr ausdrucksstark. Ich mochte seine Art, sein Sein, das Auftreten, und auch seine weisen Worte.

Im übrigen wird in dem Buch immer und immer wieder von einem ganz tollen Buch – welches auch Teil der Geschichte ist – namens Das dunkle Haus an der Anderswokurve erwähnt und arggh es ist leider nur eine Fantasie der Autorin, denn zu gerne hätte ich mir im Anschluss dieses Buch gekrallt. Es klingt wirklich nach einem aufregenden Fantasy-Schmöker. Ich bin mir sicher, ihr werdet euch auch wünschen, dass diese Geschichte real wäre…

Dadurch dass ich schnell wusste, wie die Geschichte ausgeht, war es für mich nicht sonderlich nervenaufreibend, dennoch war es ein Pageturner, was dem tollen Stil der Autorin zu verdanken ist. Auch witzig fand ich die ständigen Anmerkungen zu Berühmtheiten, Filmen, etc… Das hat die Story wirklich gut aufgelockert. Trotz meiner Kritikpunkte ist es ein lesenswertes Jugendbuch.

KATEGORIE

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Mein Dank gilt dem Carlsen Verlag, welcher mir das Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Meine Meinung bleibt ehrlich und unverfälscht.

6 Kommentare

  1. 10. April 2019 / 22:36

    Liebste Stella, das hört sich doch gut an. Faszinierend wie viel ein guter Schreibstil ausmachen kann, da musst die Geschichte auch nicht die aller spannendste sein! Eine tolle Rezension, danke fürs teilen. <3

    • Stella
      Autor
      13. April 2019 / 13:45

      Liebe Elizzy,

      das ist in der Tat faszinierend gewesen und hat das Buch auch irgendwie -für mich- gerettet : )
      Hab lieben Dank.

      Liebste Grüße, Stella

  2. 17. April 2019 / 17:10

    Liebe Stella,

    eine wirklich tolle Rezension. Ich kann durchaus verstehen, weshalb dich das Buch umgehauen hat. Vom Hocker gehauen hat es mich (leider) auch nicht, dennoch konnte ich nicht aufhören zu lesen, daher war ich anfangs wirklich sehr skeptisch, was das Buch angeht. Ich kannte bereits ein Buch der Autorin und war damals davon leider nicht sonderlich begeistert. Der Schreibstil hier hat mir dann aber um Längen besser gefallen und die ganze Atmosphäre hat mich absolut gefesselt.

    Am Ende hätte ich mir noch einen besseren „Wow“-Effekt gewünscht. Ich bin zwar froh, dass sie am Ende doch noch mal diese Wendung mit rein gebracht hat, da es meiner Meinung nach anders ziemlich lahm gewesen wäre, aber es war eben doch kein Knaller-Ende was super schade ist, denn die Idee dieser Geschichte fand ich einfach großartig!

    Ganz liebe Grüße
    Ivy

    • Stella
      Autor
      29. Juli 2019 / 8:25

      Hey liebe Ivy,

      das Buch ist wirklich nicht einfach einzuordnen. Es hat sich wahnsinnig gut lesen lassen, aber es war mir einfach nicht genug Spannung, nicht genug Rätsle raten und zu flach von den Charakteren.
      Das Ende hat mir ja garnicht gefallen, da ich es genauso erwartet habe, aber gut man kann nicht alles haben. Freut mich aber, dass es dich dann doch noch unterhalten hat : )

      Liebste Grüße, Stella

  3. 28. Mai 2019 / 15:50

    Liebes,

    es freut mich, dass dich das Buch so gut unterhalten konnte! Auch trotz der Kritikpunkte 😉
    Ich glaube wir alle wollten danach unbedingt Das dunkle Haus an der Anderswokurve lesen 😀

    Liebste Grüße
    Jill

    • Stella
      Autor
      29. Juli 2019 / 8:21

      Danke Jill : )

      Ja, ich wäre absolut dafür das die Autorin nun das Buch auf Papier bringt haha ♥

      Liebste Grüße, Stella

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