Thalamus – Ursula Poznanski | Rezension

Thalamus – Ursula Poznanski | Rezension

„Das Broca-Areal ist ein Teil der Hirnrinde. Bei dir war auch der Thalamus mit betroffen, der ist ein Teil des Zwischenhirns, und er sorgt für die Verarbeitung von Sinneswahrnehmungen.“

Ursula Poznanski

BUCHDETAILS

Herausgeber: Loewe Verlag | Autor: Ursula Poznanski | Erscheinungstag: 13.08.2018 | Buchlänge: 448 Seiten | ISBN: 978-3785586143 | Preis: Broschiert 16,95€ | ERWERBEN

REZENSION

Thalamus hatte mich tatsächlich wegen seines außergewöhnlichen Titels angesprochen, aber darin ist Ursula Poznanski ja sowieso Profi. Ihre anderen Bücher tragen nämlich auch alle besondere Namen (Elanus, Aquila, Erebos…). Thalamus ist ein Begriff dem wahrscheinlich nicht jedem geläufig ist, aber spätestens wenn man sich den Klappentext durchgelesen hat, wird man zumindest vermuten, dass es etwas mit unserem Körper zutun hat.

Der Thalamus (von griech. θάλαμος thálamos „Schlafgemach“, „Kammer“) bildet den größten Teil des Zwischenhirns. Er setzt sich aus vielen Kerngebieten zusammen, die eine besonders starke Verbindung zur gesamten Großhirnrinde aufweisen.

Wikipedia

Timo hat einen schweren Motorradunfall, der ihn aus seinem normalen Leben wirft. Plötzlich hat er sämtliche Handicaps. Er kann nicht sprechen, nur vereinzelte Laute kommen beim Formen von Worten heraus und auch seine Bewegungen sind eingeschränkt. Die Ärzte haben für den Jungen allerdings Hoffnung, da solche Unfälle öfters passieren, und dementsprechende Reha-Möglichkeiten vorhanden sind. Also lebt Timo von nun an im Markwaldhof, mit dem Ziel seine Sinne wieder zu verschärfen. Doch in der besagten Reha scheint es nicht mit rechten Dingen zu zugehen.

Timo ist jung und hat noch ein ganzes Leben vor sich, was den Beginn der Geschichte so bedrückend und tragisch macht. Er ist nicht mehr der alte, kann sich nicht richtig verständigen und zweifelt an sich selbst. Schafft er es eines Tages wieder ein richtiges Leben zu führen? Fragen über Fragen, die ihn quälen, aber er macht dank seiner Therapien auch Fortschritte. Es ist alles mühsam, aber er gewöhnt sich an seinen neuen Lebensraum. Dementsprechend habe ich zu Beginn auch mit ihm mit gelitten. – Ein einziger Moment, der einem alles nimmt. Das macht nachdenklich, wie so oft wenn man etwas von Unfällen mitbekommt oder betroffen ist.

Am Markwaldhof schließt Timo trotz der Sprachbarriere schnell Freundschaften und bekommt dadurch auch ein wenig mehr Bewegung und frischen Wind in sein Leben. Gerade Carl ist einer der Jungen, die ihm Mut machen und sein Leben ein wenig positiver gestalten. Auch die Freundschaften weiteren Patienten sind schön beschrieben und sie geben Hoffnung. Doch dann plötzlich hört Timo Stimmen und er denkt, er wird verrückt. Es wird total mystisch.- Es hat mich an die Serie Stranger Things erinnert, aber auf eine neue Art. Es gibt keine Monster oder so, aber es geht um Forschung und an der Stelle ist schon fast zuviel gesagt, denn ihr müsst euch von dieser Idee einfach selbst ein Bild machen. Besonders gefallen hat mir der wissenschaftliche Anteil und wie die ganzen Handlungsstränge der einzelnen Charaktere ineinander verwoben wurden und wie sie miteinander gewirkt haben. – Sie alle sind Patienten, die ihr Päckchen zu tragen haben, doch sie sind auch Kämpfer. Durch diesen Zusammenhalt, wurde die Geschichte nicht zu erdrückend, und man konnte sich besser in die Gesamtsituation hineinfühlen.

Dieses Buch bietet jede Menge Anregung zum Thema Zukunft und was man mit der Wissensschaft so bezwecken kann. Natürlich wurde das Thema hier fiktiv aufgegriffen und ausgeschmückt, und man muss Fortschritte auch nicht immer gut heißen, aber es lässt Spielraum da, einfach mal inne zuhalten und darüber nachzudenken. Das Buch blieb fortan ein Pageturner, und kaum musste ich es mal weglegen, wollte ich auch schon wieder wissen, wie es weiter geht. Lediglich zum Ende empfand ich es als etwas in die Länge gezogen. Da hätte ich mir einfach ein heftigeres und schnelleres Ende gewünscht, aber alles in allem, war es flüssig, jugendlich, leicht, spannend und ein Buch zum Mitfiebern. Definitiv empfehlenswert für ein stürmisches Wochenende, an dem man sich sowieso am liebsten unter die Bettdecke verkriechen möchte.

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TRANSPARENZ
Mein Dank gilt dem Loewe Verlag, welcher mir das Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Meine Meinung bleibt ehrlich und unverfälscht.

2 Kommentare

  1. 29. März 2019 / 19:55

    Hallo Stella!

    So richtig traue ich mich an die Bücher von Ursula Poznanski nicht mehr heran. Mit „Aquila“ und „Elanus“ hat die Autorin in der Sparte Jugendthriller bei mir leider keinen Nerv getroffen. Beiden Büchern hat das gewisse Etwas gefehlt und seitdem habe ich kein weiteres ihrer Bücher mehr gelesen. „Thalamus“ würde mich inhaltlich definitiv reizen und deine Rezension klingt interessant – mal sehen, ob das Buch also doch irgendwann noch bei mir einziehen darf 😀

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Facebook)

    • Stella
      Autor
      10. April 2019 / 10:09

      Hallo liebe Lisa,

      ich habe gelernt Jugendthriller von „Normalen“ komplett zu trennen und ich verstehe sehr gut, wenn du sagt, dass sie für dich nicht sonderlich nervenaufreibend sind. Ich denke, dass sollen sie auch garnicht vermitteln, sondern viel mehr eine Art Spannungsroman darstellen : ) Ich habe schon 2-3 Bücher von Poznanski gelesen und zB Layers war auch nicht mein Fall. Man muss sich da wohl einfach mal probieren und schauen, welches Buch passen könnte. Thalamus kann ich auf jeden Fall empfehlen. Danke für deine netten Worte ♥

      Liebste Grüße, Stella

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