Du wolltest es doch – Louise O´Neill | Rezension

Du wolltest es doch – Louise O´Neill | Rezension

„Mir geht es irgendwie nicht gut. Ich versuche mich aufzurichten, aber die Müdigkeit zieht meinen Kopf unter Wasser.
Ich ertrinke. Ich   … 
Luft.“
– Louise O´Neill

BUCHDETAILS

Herausgeber: Carlsen | Autor: Louise O´Neill | Übersetzung: Katarina Ganslandt | Erscheinungstag: 25.07.2018 | Buchlänge: 368 Seiten | ISBN: 978-3551583864 | Preis: Hardcover 18,00€  | ERWERBEN

REZENSION

Als ich von dem Buch „Du wolltest es doch“ das erste mal gehört habe, musste ich sofort an die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ denken, da es dort um ähnliche Themen geht. Und es hat mich während des Lesens dann auch bestätigt, denn es waren einige Parallelen da, die mich an die Serie haben denken lassen.

In der Geschichte geht es um die wunderschöne Emma. Ihr Aussehen ist perfekt, sie fühlt sich toll und sie weiß genau wie sie Jungen um den Finger wickelt. Auf einer Party gerät sie in das Beuteschema eines Typen, der ein paar Jahre älter als sie ist. Sie schläft mit ihm, schmeißt Pillen ein und erwacht am nächsten Tag ahnungslos und leicht bekleidet vor der Tür ihrer Eltern.

In der Nacht, im vollen Drogenrausch, wurde sie auch von weiteren Jungen genommen und Nacktbilder kursieren nun im Netz. Jeder weiß Bescheid, das etwas passiert ist, aber keiner genau was passiert ist und wieso, weshalb und warum. Emma wird also als freizügige Schlampe abgetan. Sie selbst verändert sich nach dieser Nacht, sucht die Schuld in sich selber. In gewisserweise war sie auch Schuld. Sie hat ja schließlich freiwillig Drogen genommen und „es“ mit sich machen lassen. – Also hinterfragt sie sich selbst.

Die Schuldfrage spielt in diesem Buch eine große Rolle. Ist Emma das Opfer? Sind es die Jungen aus gutem Hause? Sie war auf den Bildern auch eindeutig bewusstlos und sie erinnert sich nicht daran, was die Jungen alles mit ihr gemacht haben. Es herrscht ein hetzartige Stimmung. Das Buch ist eher bedrückend und keine leichte Kost, aber die Autorin hat es geschafft, diese schwere Thematik gut zu verpacken.

Leider hat mich die Protagonistin Emma nicht mitreißen können. Ihre störrische und selbstverliebte Art hat mich teilweise so aufgeregt, so dass ich für ihrer Situation nicht all zu viel Verständnis aufbringen konnte. Sie wirkte gekünstelt, falsch und hatte ein komplett verdrehtes Weltbild – Vor dem Vorfall wohlgemerkt. Nach dem Vorfall kann sie einem einfach nur Leid tun, da sie definitiv das Opfer ist, aber diese Tatsache von der Gesellschaft verdreht wird. – Sie hat ja provoziert, also ist sie auch selbst Schuld. Ihre Eltern wissen nicht mehr mit ihrer Tochter umzugehen. Kaum einer möchte ihr Glauben schenken, so dass es nicht wirklich verwunderlich ist, dass sie ein depressives Verhalten an den Tag legt.

Ansonsten gab es ein paar Zeitsprünge im Buch, die mich bei meinem Lesefluss gestört haben, da sie teilweise zu abrupt waren und man erst wieder in das Geschehen reinkommen musste. Insgesamt ist es aber ein sehr wichtiges Buch, dass jeder lesen sollte, der sich mit dieser Thematik beschäftigen möchte, oder aber eben auch Betroffene. Nicht selten hören wir in den Nachrichten von Vergewaltigungen und Belästigungen an Frauen. Traurig, dass  es überhaupt so etwas wie „Opfer-Täter-Umkehr“ in unserer Gesellschaft gibt. Es ist ganz egal wie sich ein Mensch kleidet, schminkt oder gibt. – Wir haben nicht das Recht auf Grund der vermeintlichen Provokation, uns ein Urteil über das womögliche Fehlverhalten des Opfers zu machen.

„Du wolltest es doch“ ist definitiv Nichts für zwischendurch. Es lässt sich zwar schnell lesen, aber man muss doch echt hin und wieder schlucken und teilweise pausieren und ein wenig Abstand von dem Ganzen nehmen, um die Geschichte sacken zu lassen. Ein sehr anregendes Buch über Tabuthemen unserer heutigen Gesellschaft.

KATEGORIE

LESESCHMÖKER
MEHR ÜBER MEIN BEWERTUNGSSYSTEM

Mein Dank gilt dem Carlsen Verlag, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Meine Meinung bleibt ehrlich und unverfälscht!

AUTOR/IN

Die Autorin Louise O’Neill hat Themen wie Feminismus, Body Shaming und Selbstbestimmung zu ihren Herzensanliegen erklärt und mit ihren Büchern international zahlreiche Preise gewonnen. Sie lebt und arbeitet in West Cork, Irland, hat eine wöchentliche Kolumne im Irish Examiner und ist ein häufiger Gast in Fernseh- und Radiosendungen.

KLAPPENTEXT

Emma ist hübsch und beliebt, die Jungs reißen sich um sie. Und sie genießt es, versucht, immer im Mittelpunkt zu stehen: Das Mädchen, das jeden herumkriegt. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid

Quelle Autor & Klappentext | Carlsen

WEITERE REZENSENTEN

INK OF BOOKS
LIES DAS BUCH
NANA DER BÜCHERBLOG

(Lasst mir gerne eine kleine Info da, sofern ihr das Buch auch rezensiert habt, damit ich euch verlinken kann.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld!

*

Ich stimme zu.