Der Name des Windes – Patrick Rothfuss | Rezension

Der Name des Windes – Patrick Rothfuss | Rezension

„Aber ich warne Euch: Maßt Euch nicht an, auch nur ein Wort von dem zu ändern, was ich sage. Wenn ich abzuschweifen scheine, wenn es scheint, als würde ich vom Thema abkommen, dann denkt daran, dass eine gute Geschichte nur selten den direkten Weg nimmt “

– Patrick Rothfuss

BUCHDETAILS

Herausgeber: Klett-Cotta | Autor: Patrick Rothfuss | Übersetzung: Jochen Schwarzer | Erscheinungstag: 27.03.2007 | Buchlänge: 863 Seiten | ISBN: 978-3608938159 | Preis: Hardcover 24,95€  | ERWERBEN

REZENSION

Es ist ein halbes Jahr vergangen als ich das Buch DER NAME DES WINDES gelesen habe, wie ich leicht schockiert feststellen musste. Es kommt mir aber vor, als hätte ich es gestern gelesen. Diese Zeilen sollten eigentlich schon viel früher entstehen, aber vielleicht war ich auch einfach noch nicht so weit? Das Buch schwirrt und spukt ständig in meinem Kopf herum. Es ist zutiefst erschütternd, emotional und diese Bildgewalt ist mehr als imposant. So viel Ausdruck, wie dieses Buch zu Stande gebracht hat, habe ich selten erlebt.

Ihr kennt, dass sicher – Ihr nehmt ein Buch erst jetzt zur Hand, obwohl ihr es schon seit einiger Zeit im Buchhandel wahrgenommen hat. In meinem Fall, hat mich wahrscheinlich auch die Dicke des Buches mit knapp 900 Seiten abgeschreckt. Vielleicht war ich aber auch noch nicht bereit für diese Geschichte. Wie aus dem Nichts wuchs mein Interesse und ich musste quasi sofort los um mir das Buch zuzulegen. Ich wollte wissen, wer dieser Kvothe ist und was er zu erzählen hat. Im Nachhinein betrachtet hätte Rothfuss auch das doppelte an Seiten schreiben können. Ich habe jedes Wort geliebt und behutsam aufgenommen.

Noch nie habe ich so viele Stellen markieren müssen, da der Autor mich mit beinahe jedem Satz beeindruckt hat. Ein schöner Absatz nach dem nächsten, der mich durch die Seiten gejagt hat. Worte dich mich eingelullt haben. Sie waren mal leise, mal laut…

Die Emotionen, die mich durch dieses Buch getragen haben, kann ich nicht in Worte verpacken. Kvothe´s Geschichte, die wir hier mitverfolgen dürfen, ist alles andere als einfach. Als Kind muss er den Mord an seinen Eltern miterleben. Alleine kämpft er sich in das Leben zurück. Seine ganze Jugend ist ein reinster Kampf, aber Kvothe hat da diese gewisse Leichtigkeit. – Aus jeder Situation das Beste zu machen, egal wie elendig sie zu sein scheint. Das muss unfassbar kräftezehrend sein. Soviel Leid, Hass, Unverständnis, die ihn durch seine Kindheit getragen haben, haben mich erschüttert. Stellenweise saß ich einfach da und habe an die Decke gestarrt, über seine Situation nachgedacht und mich gefragt: Wie kann man das alles nur einer einzigen Person aufbürsten? Und dann musste ich das Leben hinterfragen, denn in unserem Leben ist es oftmals nicht anders. Wie sagt man so schön: Wenn´s dicke kommt, dann richtig. Bloß das man unser Leben nicht mit seinem vergleichen kann. Wir leben größtenteils in einer wohlbehüteten Umgebung. Es gibt ein System. Kvothe hatte diese Möglichkeiten nicht. Dieser Kampf fordert Stärke.

Und all diese Jahre werden aufgezeichnet von einem Chronisten d.h. die Geschichte wird durch Zeitsprünge in die Gegenwart ein wenig aufgelockert. Es fühlt sich gut an zu wissen, dass Kvothe noch da ist, auch wenn er gezeichnet ist, von all dem Erlebten. Es war irgendwie beruhigend dies im Hinterkopf zu haben.

Kvothe ist ein Mensch voller Hingabe. Wenn er etwas macht, dann mit eiserner Willensstärke. Eigentlich besitzt er nichts, aber sein Willen bringt ihn auch in der schlimmsten Stunde voran. Er weiß sich zu verkaufen. Durch Klugheit, Verhandlungskönnen und einem unverschämten Lächeln schafft er es dann auch auf die Unversität – das Arkanum – um sein täglichen Bedarf an Brot und Wasser zu stillen. Und trotz seiner Armut ist er gütig, ohne Ende. Man muss sich mal vorstellen, dass man nichts besitzt und trotzdem alles gibt. In unserer Welt ist es nicht mehr üblich zu Geben. Für Kvothe ist es selbstverständlich.
Natürlich hat dieser junge Mann auch Träume und Wünsche, die ihm zum Verhängnis werden, wie zum Beispiel seine Liebe zur Musik. Seine Laute bedeutet ihm die Welt. Die Musik ist für ihn eine Art Seelen-Heil. Er kann all die Gefühle darin verpacken und sie in gewisser Weise hinaus schreien. Nächtliche Musik-Sessions erwarten uns. Die Liebe zur Musik spielt in Rothfuss´Werk eine sehr bedeutende Rolle.

So lebt Kvothe also sein Leben und wir dürfen ihn auf seiner Reise begleiten in der Hoffnung das er seine Familie eines Tages rächen kann. Das sich all dieser Pein und Schmerz auch „gelohnt“ hat. Sie haben die falschen Lieder gesungen und mussten dafür büßen. Auf seinem Weg lernen wir weitere ungewöhnliche Charaktere kennen. Ganz besonders in mein Herz geschlossen habe ich Kvothe´s Freunde und ganz besonders Auri. Sie sind alle wichtig und ein Teil von ihm. Ganz besonders hat mir gefallen wie viel Raum Kvothe jedem einzelnen von ihnen gegeben hat, aber es nie ausschweifend wurde. Es blieb fortan spannend. Die Fantastie ist in diesem Buch da, aber sie ist leise und erwacht erst mit der Zeit. Ein gewisser Nervenkitzel liegt stets in der Luft.
Die Chandrian sind in diesem Teil wohl das mystischste des Ganzen. Wir lernen sie indirekt kennen und fürchten, aber das ganze Geheimnis um sie erfahren wir wohl erst, wenn wir alle Bände gelesen haben.

Das Buch hat mich wütend gemacht, mich erstaunt, mich seelisch berührt. Von der ersten Seite an habe ich eine gewisse Liebe verspürt. Es ist wie Magie. Das Buch liegt seid Jahren da, im Laden, und dann zieht es mich ganz plötzlich an, wie kein anderes und belehrt mich eines besseren. DER NAME DES WINDES ist mit Abstand, das detailverliebteste Buch, dass ich je zur Hand genommen habe. Patrick Rothfuss nimmt sich Zeit für den Weltenbau und vor allem für Kvothe. Er ist nicht nur Gastwirt hinter der Theke. Er ist ein Mann von Bedeutsamkeit. Ein Mann, mit seiner eigenen Geschichte. Eine Geschichte, die von noch mehr Leuten da draußen gelesen werden sollte. Darf ich vorstellen: Mein mit Abstand liebster Fantasy-Schmöker.

Ich danke dem Autor für diesen lehrreichen Auftakt und für seine Zeit, die er in dieses LITERATURKUNSTWERK gesteckt hat. Danke, dass ich Teil dieser Reise sein durfte.

ZITATE

„Und verfügte man über den entsprechenden Verstand, einen Verstand, der tatsächlich sah, was er erblickte, fiel einem womöglich auf, dass etwas an seinen Augen merkwürdig war. Und hatte der Verstand die seltene Gabe, sich nicht von seinen Erwartungen täuschen zu lassen, so entdeckte man womöglich noch etwas weiteres an ihnen, das seltsam und wunderbar war.“

“ Dann spürte ich, wie etwas in mir aufbrach, und Musik begann sich hinaus in die Stille zu ergießen. Meine Finger tanzten; geschickt und schnell wirbelten sie etwas Hauchzartes, Bebendes in den Lichtkreis unseres Lagerfeuers. Die Musik regte sich wie ein Spinnennetz in einer sanften Brise, sie drehte sich wie ein zu Boden trudelndes Blatt, und sie sprach von drei Jahren Tarbean-Waterside, von innerer Leere und kälteklammen Händen.“

„Das ist eine sehr gute Frage! Und die Antwort lautet: Jeder von uns hat zweierlei Geist. Einen wachen Geist und einen schlafenden Geist. Unser wacher Geist ist der, der denkt und spricht. Unser schlafender Geist aber ist viel mächtiger. Er schaut tief in das Herz der Dinge hinein. Das ist der Teil von uns, der träumt. Er erinnert sich an alles. Er verleiht uns die Intuition. Dein wacher Geist versteht das Wesen der Namen nicht. Dein schlafender Geist versteht es durchaus. Er weiß bereits vieles, was sein wacher Geist nicht weiß.“

„Es ist ein Wort. Worte sind die blassen Schatten vergessener Namen. Und wie Namen Macht innewohnt, wohnt auch Worten Macht inne. Mit Worten kann man im Geist der Menschen Feuer entfachen. Mit Worten kann man selbst dem hartherzigsten Menschen Tränen entlocken. Es gibt sieben Worte, die einen Menschen dazu bringen, dich zu lieben. Und es gibt zehn Worte, mit denen man den Willen selbst des stärksten Mannes brechen kann. Aber ein Wort ist weiter nichts als die bildliche Darstellung eines Feuers. Ein Name ist das Feuer selbst.“

– Patrick Rothfuss

AUTOR/IN

Patrick Rothfuss, geboren 1973 in Wisconsin, unterrichtet als Englisch-Dozent am Stevens Point College in Wisconsin. Die ersten beiden Bände der Königsmörder-Chronik wurden weltweit bei Kritikern und Fantasylesern begeistert aufgenommen und belegten schon bald die vorderen Plätze der Bestsellerlisten.

2007 wurde Patrick Rothfuss für seinen Roman »Der Name des Windes« mit dem Quill Award sowie dem Pulishers Weekly Award für das beste Fantasy-Buch des Jahres ausgezeichnet, 2009 hat das Buch den Deutschen Phantastik Preis als bester internationaler Roman erhalten.

KLAPPENTEXT

»Vielleicht habt ihr von mir gehört« … von Kvothe, dem für die Magie begabten Sohn fahrender Spielleute. Das Lager seiner Truppe findet er verwüstet, die Mutter und den Vater tot – »sie haben einfach die falschen Lieder gesungen«. Wer aber sind diese Chandrian, die weißglänzenden, schleichenden Mörder seiner Familie? Um ihnen auf die Spur zu kommen, riskiert Kvothe alles. Er lebt als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean, bis er auf das Arkanum, die Universität für hohe Magie aufgenommen wird. Vom Namenszauber, der ihn als Kind fast das Leben gekostet hätte, erhofft sich Kvothe die Macht, das Geheimnis der sagenumwobenen Dämonen aufzudecken.

Im Mittelpunkt dieses Leseabenteuers steht ein großer Magier und leidenschaftlicher Wissenschaftler, ein Musiker, dessen Lieder die Sänger zum Weinen bringen … und ein schüchterner Liebhaber.

Quelle Autor & Klappentext | Klett-Cotta

INFOS

Band 1 | Der Name des Windes
Band 2 | Die Furcht der Weisen Teil 1
„“ | Die Furcht der Weisen Teil 2
Band 3 | ausstehend

Zusatzband | Die Musik der Stille

6 Kommentare

  1. 16. Februar 2019 / 16:54

    Huhu Stella,

    wow. Was für eine Rezension. Dieses Buch klingt magisch und du hast mich wahnsinnig neugierig gemacht. Obwohl ich glaube, dass man für dieses Buch definitiv in der richtigen Stimmung/Verfassung sein muss. Ich schreib es mir mal auf, mit einem dicken Sternchen und warte den, für mich, passenden Moment ab, mich auf diese Geschichte einzulassen.

    Ganz liebe Grüße,
    Robin

    • Stella
      Autor
      17. Februar 2019 / 16:47

      Huhu liebe Robin,

      das Buch ist einfach das Beste, was mir passieren konnte. Auf jeden Fall, sollte man sich für diese Geschichte ausgiebig Zeit nehmen und erst danach greifen, wenn man soweit ist. – Also kann ich deinem Plan nur zustimmen. Ich würde mich freuen, deine Meinung darüber zu erfahren. In jedem Fall, wünsche ich dir ganz viel Freude, wenn es dann endlich soweit ist.

      Liebste Grüße, Stella

  2. 13. März 2019 / 12:56

    Das ist mit Abstand, die wohl beste Rezension die ich von diesem Buch je gelesen habe. Ich finde du wirst mit jedem Satz den du schreibst, diesem Buch gerecht. Ich habe die bereits erschienenen Bücher im wahrsten Sinne des Wortes verschlungen und warte seit Jahren darauf, dass endlich der neue Teil erscheint. Ich habe früher viel Fantasy gelesen und nur wenige Autoren schaffen es noch wirklich mich in ihren Bann zu ziehen, nur Rothfuss schafft es mich über Jahre für sein Werk zu begeistern. Selten habe ich mich beim Lesen so in eine Geschichte hineinversetzt gefühlt, selten habe ich mir so viele Gedanken über Protagonisten und Stories der Handlung gemacht. Jedes Mal wenn ich die Bücher in einer Buchhandlung sehe muss ich davor stehen bleiben und einen Blick hineinwerfen. Und erinnere mich daran wie ich es zum ersten mal gelesen habe und was ich dabei gefühlt habe. Danke für deinen Beitrag. Es wird wieder Zeit das Buch zu verschlingen.

    Liebe Grüße!

    • Stella
      Autor
      14. März 2019 / 13:02

      Hey : )

      ich danke dir für deine lieben Worte! Ich kann dich so gut verstehen! Mein Fantasy-Bild hat sich mit den Büchern von Rothfuss absolut um 360 Grad gewendet, gedreht, sich verändert… wie auch immer : ) . – Ich bin sehr viel kritischer der Fantasy Literatur gegenüber geworden. Es gibt wahrlich nur wenige Autoren, die mich so richtig in den Bann ziehen. – Und die vor allem, im Gedächtnis bleiben und Erinnerungen geschaffen haben. Ich habe noch den 2ten Teil von „Die Furcht der Weisen“ vor mir, aber auch nur, weil ich damit noch nicht so wirklich abschließen mag. Dennoch werde ich bald danach greifen und dann genau wie du, und alle anderen Fans, erstmal warten müssen. Im übrigen kann ich dir die Hörbücher auch sehr empfehlen. Ich konnte es mir nicht nehmen lassen, Kvothe´s Geschichte auch ein zweites mal beim Hören zu verinnerlichen.
      In jedem Fall, ganz viel Freude beim Re-read und danke für´s vorbei schauen. : )

      Ganz liebe Grüße, Stella

  3. 14. April 2019 / 7:38

    Liebe Stella,
    ich bin schon so oft an diesem Buch vorbei gelaufen; das Cover kommt mir sehr vertraut vor und ich suche schon seit langem nach einer tollen Fantasy-Reihe. Kurzum: Tolle Besprechung, das Buch hab ich mir gleich aufgeschrieben.
    Viele Grüße
    Jana

    • Stella
      Autor
      29. Juli 2019 / 8:28

      Hallo liebe Jana,

      das freut mich zu hören. Die Geschichte um Kvothe wird dich sicher ganz genauso einnehmen und verzaubern. Viel Spaß beim Schmökern.

      Liebste Grüße, Stella

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